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Joint Venture Bulova und Citizen Uhren: Die Stimmgabeluhr Accutron

Jedes Gerät, das eine festgelegte Geschwindigkeit einhalten soll, benötigt dafür eine Referenzfrequenz, also eine Art Taktgeber. Bei Uhren wird dafür meist die Unruh (2,5 bis 5,0 Hz) oder der Quarzantrieb (Schwingquarz mit 32.768 Hz) verwendet. Je höher die Frequenz, desto weniger fallen Ungenauigkeiten ins Gewicht. Allerdings muss die hohe Frequenz durch Teiler auf 1 Hz heruntergeregelt werden.
Ein völlig anderes technisches Verfahren nutzte die aus der Zusammenarbeit von Bulova und Citizen Uhren 1971/72 entstandene Accutron (accuracy für genau, electronic für elektronisch gesteuert). Diese so genannte Stimmgabeluhr verwendete als Schwingelement eine elektronisch angeregte Stimmgabel. Die Schwingungen erreichten dabei 360 Hz und eine Genauigkeit von plusminus 60 Sekunden im Monat. Sie war damit erheblich genauer als die mechanischen Uhrwerke und Wegbereiter für die noch genaueren Quarzuhren. Letztere bedeuteten leider auch das Aus für die Stimmgabel-Technik.
Die Idee aus dem 19. Jahrhundert
Wenn auch Anfang der 1970er Jahre erstmals eine Armbanduhr die Stimmgabeltechnik nutzte, so gehen die mechanischen Vorläufer auf das 19 Jh. zurück. Jene Stimmgabel-Standuhren arbeiteten mit Stimmgabeln, die – je nach Ausführung – mit 300 bis gut 700 Hz schwangen. Erst 1954 gelang dem Baseler Physiker Max Hetzel die Fertigstellung eines Prototyps. Dieser nutzte dabei nicht nur die Stimmgabel-Technik, sondern setzte auch auf die noch ganz neuen Entwicklungen des Transistors und der Knopfzellen-Batterie. Die Stimmgabeluhren läuteten damit das elektrische Zeitalter der Uhr ein.
Die Technik
Die elektrisch in Schwingungen versetzte Stimmgabel überträgt die Resonanzen als Bewegung über einen Flachdraht, an dessen Ende ein Rubin befestigt ist, der ein Zahnrad in Drehung versetzt. Ähnlich dem Flachdraht mit Rubin verhindert eine Sperrklinke das Zurückdrehen des Rades.
Accutron im All
Zu besonderen Ehren kamen die Bulova / Citizen Uhren durch den Einsatz bei den NASA Weltraumausflügen. Das Gemini-Programm stattete die Kapseln mit Accutrons aus, die über ein 24h-Zifferblatt verfügten. Die Mondfähre des Apollo-Programms zierte gar eine Accutron mit 60h-Zifferblatt. Die damit erreichte Popularität der Stimmgabel-Armbanduhren sorgte für Absatzzahlen in Millionenhöhe. Die Hochphase der Accutrons dauerte von Anfang der 1970er Jahre bis 1977. Dann lösten preiswerte Quarzuhren die Accutrons auf dem Massenmarkt ab.
Das Design lebt weiter
Bulova liefert heute Uhren im Retrodesign unter dem Namen Accutron. Statt der Stimmgabel-Technik ist allerdings ein Quarzwerk verbaut. Dafür kümmerte man sich mehr um die aufwändige Optik (etwa 23-Karat Goldplatte, Saphirkristalle) und die hohe Widerstandskraft (kratzbeständig, bis 300m wasserdicht).
www.armbanduhren-welt.de


Autor   Svenja Holtgen
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