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Auf Japanreisen die Jugendkultur kennen lernen

Kultur bedeutet auf Japanreisen oftmals Besuche in Tempeln, Besichtigungen alter Schlösser oder den Bummel in Japans Einkaufsmeilen. Doch am Rande entwickelt sich noch etwas anderes, was mir klassischer Kultur wenig zu tun hat. Während die Eltern japanischer Jugendlicher diese auf Karriere trimmen, beginnen von ihnen zu rebellieren. Westliche Wertevorstellungen gewinnen immer mehr an Bedeutung, stehen jedoch im Gegensatz zu Östlichen Konzepten. Besonders schwierig ist für japanische Jugendliche der erhebliche Druck von Eltern, Schule und Gesellschaft, welcher schon in den Kindergartenjahren beginnt. Die Aufnahmeprüfung dort ist nur der Beginn einer sich fortsetzenden Reihe von Prüfungen und Leistungsdruck. Wer nicht klug genug ist, hat kaum Chancen für die Zukunft, während die „Genies“ der Gesellschaft in großen Firmen arbeiten und ein Leben lang abgesichert sind. Auch wenn es im Japanurlaub schwierig sein mag, diese Faktoren zu erkennen, ist doch für jeden Touristen auf Japanreisen die Rebellion der Jugendlichen klar zu erkennen. Während andere Japaner gesittet die landesüblichen Speisen, wie Nudelsuppen oder Sushi genießen, gehen Jugendlich nach Mcdonald’s oder zum nächsten Automaten.

Individualität kann sich bei jugendlichen Japanern auch am Kleidungsstil bemerkbar machen: Da in allen Schulen in Japan Schuluniformen Pflicht sind, leben die Jugendlichen ihre Individualität in der wenigen Freizeit aus, die ihnen bleibt. Die sogenannten „Ganguros“ beispielsweise bleichen ihre schwarzen Haare, tragen äußerst kurze Röcke und bis zu den Knien reichende Plateaustiefel. Auch die „Jibetarians“ dürften Touristen im Japanurlaub begegnen: Diese Art von Jugendlichen fällt zwar nicht durch ihren Kleidungsstil auf, jedoch durch ihre Verhaltensweisen. Wann und wo sie möchten, setzen sie sich einfach auf den Boden – beispielsweise vor Bahnhöfen oder Bushaltestellen. Was für westliche Besucher normal ist, gilt in Japan als unhöflich und unüblich.

Um dem stressigen Schulalltag zu entfliehen, haben einige Jugendliche – insbesondere in Tokyo – eine neue Art der Freizeitgestaltung gefunden: Immer sonntags versammeln sich Hunderte in außergewöhnlichen Verkleidungen beispielsweise im Stadtteil Harajuku in Tokyo. Während die einen sich im Gothic Lolita Stil kleiden, tragen andere Punk- Kleidung oder verzieren sich mit bunten und niedlichen Accessoires. Eine weitere Art der Verkleidung ist das „Cosplay“, welches sich aus den englischen Worten Costume (Kostüm) und Play (Spiel) ableitet. Die sogenannten „Cosplayer“ verkörpern in ihrem Hobby Charaktere aus Animes oder Videospielen. Auch im Kommen ist japanische Musik, J-Pop und J-Rock, welcher durch bekannte Künstler wie Miyavi oder Gackt vertreten werden. Wer als Tourist also in der Stadt merkwürdig gekleideten Teenies begegnet, sollte sich nicht wundern: Individualität ist Jugendkultur in Japan.
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Autor   Anke Westhof
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