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ADP Presseagentur stellt vor: Von Sarrazin und legalen Trickbetrügern

Vermutlich sind auch Sie schon mal Opfer irgend eines Kleingauners oder Betrügers geworden. Vielleicht sind
Sie mal im Urlaub auf diese Hütchenspieler reingefallen. Oder Sie haben mal was bestellt, was ganz toll klang und
sich hinterher als Schwindel rausstellte.

Auf der Ramblas in Barcelona bin ich vor Jahren mal auf den Taschenspielertrick eines Zigeuners reingefallen.
Der finanzielle Schaden betrug nur ein paar 1000 Peseten. Das konnte ich verschmerzen. Was mich viel mehr
genervt hat, war das Gefühl, ein Idiot zu sein! Wie konnte ich mich nur so dämlich über den Tisch ziehen lassen...

Das gleiche Gefühl hatte ich später, wenn ich im Fernsehen und in den Zeitungen all den Unsinn und die Lügen sah,
mit denen mich meine Politiker für dumm verkauften – und wenn ich genau diese Menschen auch noch mit meinem
eigenen Geld, dem Lohn meiner Arbeit, mitfinanzieren musste.

Da kam ich mir wieder vor wie das Opfer von Trickbetrügern.

Legaler Trickbetrug

Dass diese Art Trickbetrug legal ist, weil in dem Fall die Täter selbst die Gesetze machen, was erlaubt und was
verboten ist, machte die Sache in meinen Augen auch nicht besser. Aber damals arbeitete ich noch als angestellter
Redakteur und hatte wenig Chancen, etwas dagegen zu tun.

Inzwischen sind die Geschichten der Politiker nicht besser geworden. Die Lage im Land ist auch nicht besser geworden.
Ganz im Gegenteil. Ich glaube, die Differenz zwischen dem, was Sache ist und was man uns weismachen will, ist noch
nie so extrem und so schnell gewachsen wie in den letzten Jahren. Trotzdem lässt mich das heute ziemlich kalt...

Der Grund ist ganz einfach: Ich zahle das alles heute nicht mehr mit!

Wenn ich heute irgendwo am Mittelmeer, oder sonst wo auf der Welt, beim Frühstück in der Zeitung lese, was sie
sich in Berlin oder Brüssel wieder Neues einfallen lassen, um den Bürger zu verscheissern und an sein Geld zu kommen,
dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln, wie Menschen sich so was gefallen lassen – aber ich fühle mich nicht mehr
selber wie ein Opfer von Trickbetrügern.

Wer sich einigermaßen mit den Vorgängen im Land befasst und die Situation ähnlich sieht wie ich, steht vor einem
Dilemma. Soll er etwas tun, kann er etwas tun, um die Lage zu verbessern? Oder ist es klüger, nur die eigene Lage
zu verbessern – und einfach nicht mehr mitzumachen?

Früher konnte ich mir durchaus vorstellen, etwas dafür zu tun, um Dinge zu verbessern. Inzwischen halte ich das nicht
mehr für realistisch. Gerade die Ereignisse der letzten Wochen haben mich in dieser Meinung bestätigt...

Sarrazin bewegt!?
Fast schien es ja, als würde sich etwas bewegen in Deutschland. Auslöser war dieses Buch von Thilo Sarrazin.
Plötzlich sprach einer Dinge an, die man nicht sagt. Wie erwartet, wurde er von der Politik niedergemacht. Aber
die Bildzeitung distanzierte sich von dieser Hexenjagd, aus Gründen, die mir noch nicht ganz klar sind.

Vielleicht waren es ganz einfach wirtschaftliche Interessen. Über 80 Prozent der Menschen standen hinter Sarrazin,
das Ignorieren zwar Politiker, wenn nicht gerade Wahl ist, nicht aber ein Massenblatt wie »Bild«, das in den
letzten acht Jahren rund eine Million Käufer verloren hat, durch unglaubwürdige PR-Storys und uninteressante
Titelgeschichten über Bohlen und »Bauer sucht Frau«.

Ein Mann wie Sarrazin, etablierter Politiker und Bänker, sagt und schreibt Dinge, die man nicht sagt in Deutschland
und Europa. Das hatte beinahe was von einem Revoluzzer. Plötzlich lasen Sie hier und da Meinungen, die Sie
schon lange nicht


Autor   Maxi Wittop
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